Im Reich des Großen Eisvogels

Der Große Eisvogel (Limenitis populi) zählt sicher zu den schönsten und seltensten Tagfaltern Mitteleuropas. Als sogenannte low-density-species begegnet man ihn auch in geeigneten Lebensräumen nur in geringer Populationsdichte. Die Art besiedelt luftfeuchte Mischwälder mit Espenbeständen (Populus tremula). Die Eier werden hier an schattige, kleine Espen abgelegt.

Im Mai konnte ich an der Fundstelle bereits ein Hibernarium finden, leider aber keine Raupe oder Puppe. Hibernarien sind kleine Überwinterungsgespinste der Eisvogelarten in denen die Raupe versteckt lebt.

Hibernarium vom Großen Eisvogel
Hibernarium vom Großen Eisvogel

Leider hatte ich in den letzten Jahren zur Flugzeit dieser interessanten Art wenig Zeit das wunderschöne Habitat zu besuchen.

Nicht so in diesem Jahr. Am 17 Juni machte ich mich mit stinkenden Limburger Käser und Saint Albrey auf dem Weg zur Fundstelle. Zum Glück dauert die Autofahrt nur gut 30 Minuten, denn der Käse machte sich im Auto schon langsam bemerkbar. Dieser wurde dann an 5-6 Stellen auf die Waldwege aufgebracht, natürlich so, dass kein Auto einen potenziellen Kandidaten überfahren konnte. Leider spielte das Wetter mit 15 Grad und Wind nicht gleich in die Karten, aber die Prognose für den Tag war ganz positiv. Kaum hatte ich die erste Runde um 10 Uhr abgelaufen, kam auch schon von Fotofreund Michael aus Eisenach ein Anruf, dass er einen Eisvogel gesehen hat. Das hob natürlich den Adrenalinspiegel, wenn er dort fliegt, muss er hier erst Recht auftauchen. Gegen 11.00 Uhr war es dann so weit, auf dem Waldweg saß ein erster, etwas abgeflogener Großer Eisvogel, ein Männchen. Zuerst wurden mit dem 70-200mm Objektiv Sicherheitsfotos gemacht, schließlich kann die Fluchtdistanz der Tiere doch sehr groß sein. Zum Schluss traute ich mich dann auch das Makro draufzusetzen und Nahaufnahmen zu schießen. Allerdings hatte ich mir schon vorgestellt, ein frischeres Exemplar zu erwischen.

Wieder an meiner Köderstelle angelangt funkte Michael mir wieder rüber, ein weiterer Eisvogel in Eisenach. Jetzt musste ich ihn aber schnell abbrechen, denn vor mir saßen 2 frische Eisvogelmännchen, ein Tier sogar am Käse, der Limburger schien ihm besser zu schmecken (Die Freunde der französischen Küche mögen es verkraften J). Wie im Rausch lutschte er ausgiebig am Käse, sodass ich auch hier erst vom 70-200 dann auf das Makro wechselte und zum Schluss auch noch den Makroblitz aufschraubte, so konnte ich diese fantastische Unterseite besser zur Geltung bringen.

Großer Eisvogel am Limburger Käse
Großer Eisvogel am Limburger Käse

Zu meinem großen Glück flog dieser Falter nun auf einen nicht zu hohen Espenbusch und hielt ausgiebig Siesta. Dass es ein Espenbusch ist freute mich auf der einen Seite, schließlich ist es die Futterpflanze der Raupe, auf der anderen Seite ging ein kräftiger Wind und der Falter wurde ständig hin und her geschüttelt. So hatte ich zwar viele Motive, aber es benötigte auch etwas Glück einmal eine scharfe Aufnahme zu erwischen. Zitterpappel, Wind und Eisvogel passen nicht so gut zur Makrofotografie J. Schnell wurde auch noch das Weitwinkel draufgeschraut um auch noch eine Habitataufnahme mit Falter machen zu können. Wann hat man bei dieser Art schon einmal die Gelegenheit dazu.

Nach gefühlten 15- 20 Minuten beendete der Falter sein Mittagsschläfchen und flog davon. Also ging ich gleich wieder zum Waldweg mit dem Käse zurück, wo sich wieder 2 Eisvögel eingefunden hatten. Allerdings saßen diese nicht am Käse und waren bei Weitem nicht so kooperativ wie ich mir das vorstellt hatte. Zudem kam ein altes Rentnerpaar mit einem dicken Benz vorgefahren. Sehr frustriert schaute ich den Herrn an, der mir gleich entgegnete, was ich denn hier fotografieren wolle. Als er meine Kamera sah, sagte er, „etwa Vögel“, ja meinte ich murrisch, ich wollte eigentlich „Eisvögel“ fotografieren. Etwas verwirrt stiegen die Herrschaften aus und ich dachte mir lieber die Stelle zu wechseln, so gibt das hier nix mehr mit Eisvögeln.

Schon nur 100m weiter flatterte auf dem Waldweg ein weiterer großer Falter. Neben dem Großen Eisvogel fliegen hier auch Großer und Kleiner Schillerfalter. Aber es war wieder ein Großer Eisvogel, ganz zu meiner Freude. Allerdings musste ich bestimmt gefühlte fünfzig mal in die Knie und wieder hoch, um endlich gescheite Aufnahmen machen zu können. Denn dann saß er plötzlich an einer der vom nächtlichen Regen gefüllten Pfütze, was für ein Glück! Schnell konnte ich ein paar ordentliche Schüsse mit Spiegelung im Wasser aufnehmen. Das musste allerdings so schnell gehen, dass mir die ersten Aufnahmen vom saugenden Falter leider in die Unschärfe rutschten. Trotzdem war ich mit dem Fotoergebnis zufrieden, mit der dreckigen Kamera und ganz zu schweigen mit meinen Klamotten weniger. Aber mit den Bildern auf dem Chip war das zu verschmerzen.

Gegen 14.30 Uhr war das Eisvogelerlebnis zu Ende und ich ging wieder an meine Ausgangsstelle zurück, das Rentnerpaar hatte sich in der Zwischenzeit auch wieder verabschiedet. Zurück blieb aber ein totgefahrener Eisvogel auf dem Waldweg, zudem ein weiterer toter Eisvogel und Trauermantel an der Schnellstraße. Ein trauriges Ergebnis für so wenige Stunden an einer kleinen Location.

Glücklich zu Hause angekommen erwartete mich Antje mit den Worten „ab unter die Dusche“.

 

 

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