Der Alpenbockkäfer (Rosalia alpina) - ein Leben auf und im Totholz

Ende Juli machten wir uns bei hochsommerlichen Temperaturen zu einer dreitätigen Wandertour in die Schwäbische Alb auf. Natürlich wollte ich auch einmal den äußerst seltenen Alpenbockkäfer begegnen und foto-grafieren. Dass es nun ein ganzer Beitrag zum Alpenbockkäfer wird, habe ich insbesondere Fotofreund Heinz Buls zu verdanken, ohne ihn hätte ich nicht die Stelle gefunden.

Der Alpenbockkäfer zählt sicherlich zu den schönsten einheimischen Käferarten, zudem ist er auch einer der Seltensten. Auf der Schwäbischen Alb erreicht er in Europa sein nördlichstes Vorkommen. In Bayern und Baden Württemberg ist die Art in kleinen, isolierten Populationen alter Buchenwälder anzutreffen. Wichtig für sein Vorkommen ist Totholz in warmen Lagen. Hier kann man in Brutbäumen die charakteristischen, ovalen  Ausschlupflöcher finden (alle Bilder durch Anklicken vergrößerbar).

Findet man einen potentiellen Holzstapel als Eiablageplatz kann man das Verhalten dieser einzigartigen Käfer wunderbar studieren und fotografieren. Die Männchen patroullieren ihr Territorium durch hektisches Auf- und Ablaufen des Baum-abschnittes. Fotografisch habe ich dieses in Form von Mitziehern versucht festzuhalten. 

Für solche Aufnahmen ist die wichtigste Kamerataste am Abend sicherlich die Löschtaste :-).

 

Die Konkurrenten werden energisch angegriffen und attackiert, das geschieht oft blitzschnell. Manchmal fallen sogar beide Käfer vom Baumstamm. Selbst eine Kopula kann durch ein weiteres Männchen auseinander gebracht werden. Nach kurzem Kampf sind dann die Verhältnisse wieder hergestellt.

Männchen und Weibchen sind gut voneinander zu unterscheiden. Das Männchen besitzt wesentlich längere Fühler, an denen die keulenförmigen Verdickungen stärker behaart sind. Das Weibchen fällt oft auch durch den Legeapparat auf. Die Größe der Käfer ist dagegen sehr unterschiedlich, man begegnet sehr kleinen Männchen, dann wieder welche, die sehr stattlich sind und die Weibchen in der Größe bei Weitem übertreffen.

Die eigentliche Paarung kann bis zu einer Stunde dauern. Oftmals lungert aber auch ein Männchen vergeblich auf einem Weibchen herum, da dieses gerade mit der Eiablage beschäftigt ist. Aber so wird es für eine spätere Verpaarung zunächst einmal "gesichert".

Bei der Eiablage tastet das Legerohr wie ein Sensor die Baumoberfläche nach kleinen Ritzen ab, in die schließlich die Eier abgelegt werden.

Gegen Abend verlassen die Käfer schließlich die Baumstämme und fliegen in die umliegenden Bäume. Hier sind sie im Blätterdach besser vor Prädatoren geschützt.

Bei so viel Faszination für eine besondere, hochgradig gefährdete und entsprechend den FFH-Richtlinien und Anhang IV europaweit geschützten Art bleibt aber auch etwas Wehmut. Die an dem Holzstapel abgelegten abertausenden Eier werden schon bald der Vergangenheit angehören. Der Holzstapel wird zu Brennholz verarbeitet und damit die Möglichkeit für die Entstehung eines Hotspots für diese Art verhindert.

 

Die zuständige Naturschutzstelle des Landkreises wurde von mir entsprechend mit allen Daten informiert und ich hoffe sehr, dass wenigstens ein Baumstamm für die Entwicklung einer neuen Population liegen bleibt.

 

Es folgen noch ein paar Bilder vom Alpenbockkäfer: ein Leben auf und im Totholz.

Wolfgang Hock

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Kommentare: 2
  • #1

    Werner Bartsch (Sonntag, 06 August 2017 10:52)

    Hallo Wolfgang,
    ich freue mich mit dir, dass du diesen Bock mit schönen Fotos endlich "abgeschossen" hast und dein Traum damit in Erfüllung gegangen ist.
    Gruß Werner

  • #2

    Marcel Göpfert (Samstag, 12 August 2017 18:34)

    Hallo Wolfgang
    Ein toller Fund auf eine spezielle, sehr schöne Art präsentiert.
    VG Marcel

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